„Wer hat schon einmal Peppa Pig World besucht? Hände hoch, wenn Sie schon einmal dort waren. Was, so wenig? Ich fragte mich auch, was ich dort finden würde, aber ich liebte es. Peppa Pig World ist mein Ort. Sichere Straßen, Disziplin in den Schulen. Ich habe auch viel Aufmerksamkeit für den öffentlichen Verkehr gemerkt.“

Dem britischen Premierminister Boris Johnson wird manchmal nachgesagt, mit allem durchzukommen. Egal wie seltsam, unverfroren oder unhöflich er auch sein mag, es schlägt sich nie in den Umfragen nieder. Nie wirklich. Sein letzter bemerkenswerter Auftritt war gestern bei einem Treffen der Confederation of British Industry (CBI), einer britischen Interessenvertretung der Industrie.

Der Premierminister hielt eine leidenschaftliche Rede über die Gegenwart und Vergangenheit der britischen Wirtschaft, über ‘Global Britain’ nach dem Brexit, über Greening und über Chancen. Aber auch über Peppa Pig World, einen Vergnügungspark, der nach der gleichnamigen Zeichentrickserie benannt ist. Johnson war am Tag zuvor dort gewesen und vermutete, dass die versammelten Industrieführer dasselbe tun würden. Denn, sagte Johnson, Peppa Pig sei ein Beispiel für die ‘Kraft der britischen Kreativität’.

Die Hymne an Peppa Pig war nicht der einzige bemerkenswerte Teil von Johnsons Rede. In einer Geschichte über Elektroautos imitierte er einen Verbrennungsmotor – vom diensthabenden Schreiber uitgeschreven als ‘arum arum araaaaaagh’ – und er verglich sich mit Moses. Irgendwann nach der Hälfte der Rede verstummte Johnson, blätterte dann seine Papiere durch und murmelte etwa 20 Sekunden lang Entschuldigungen.

Wie gesagt: Nur selten bleibt etwas an Johnson hängen. Seine Streiche gehören dazu – so ähnlich. Aber die Leistung von gestern war nach Ansicht eines Teils seiner eigenen Konservativen Partei sehr bemerkenswert. Ein anonymer Abgeordneter bezeichnet die Aktion gegenüber The Guardian als peinlich. “Auf diese Weise verliert er das Vertrauen der Partei.”

Anwesende Geschäftsleute äußerten sich offen kritisch. „Es war ein Fehlschlag“, kommentierte Jürgen Maier, ehemaliger Direktor der britischen Siemens-Niederlassung und nun stellvertretend für einen Dachverband von Unternehmen. „Babys. In seiner Geschichte sind alle möglichen Initiativen und Beispiele vorbeigegangen, manchmal ohne Relevanz.“