Mißbrauchte Staatsgelder, Beeinflussung der Presse, belastende App-Gespräche. Nach Razzien in Ministerien, im ÖVP-Parteiamt und im Kanzleramt staunt Österreich über einen beispiellosen Polit-Skandal. Die Blitzkarriere des 35-jährigen Bundeskanzlers Sebastian Kurz scheint das Ergebnis von Bestechung, politischen Intrigen und Machtmissbrauch zu sein.

Die Österreicher sprechen bereits von House of Kurz, der Vergleich mit dem Machiavellianer Frank Underwood aus der amerikanischen Netflix-Serie House of Cards besteht immerhin. Mit Umfragen-Massagen hätte Kurz erst seinen eigenen Parteichef kapituliert, dann die Kanzlerschaft gewonnen. Das Drehbuch dazu hieß eindeutig Projekt Ballhausplatz, zum Amtssitz des österreichischen Regierungschefs.

“Kurz überstanden schon viele Krisen nach Vorwürfen, aber jetzt wird es sehr schwer für ihn,” meint Deutschland-Korrespondent Wouter Zwart. “Er und die gesamte Clique um ihn herum, die sich De Familie nennen, werden beim Namen genannt. Es scheint eine klare Kampagne gegeben zu haben, um Kurz auf den Schild zu setzen.”

Kurzes Spiel

Österreichische Staatsanwälte sind zufällig in App-Gesprächen auf beschlagnahmten Handys auf Berichte über die Popularitätskampagne gestoßen. Die Staatsanwaltschaft nennt zehn Personen, darunter Kurz selbst und seine engsten Mitarbeiter. “Sebastian Kurz war der Dreh- und Angelpunkt, alle Verbrechen waren in erster Linie in seinem Interesse,” sagte der Staatsanwalt.

Kurz war ein politisches Wunderkind, Zukunftshoffnung seiner konservativen Volkspartei, die rechts kämpfte eine Antwort auf die populistische FPÖ zu finden. Mit 24 Jahren Staatssekretär, drei Jahre später Außenminister und Ambitionen, 2017 Kanzler zu werden.

“Er hatte das Image eines junger, gutaussehender Politiker, wie wir damals auch Obama, Trudeau und Macron kennengelernt haben,” sagt Zwart. “Ohne die Werbekampagne, die ihm jetzt vorgeworfen wird, hätte er vielleicht überlebt. Sie können sich fragen: So ein Junge braucht das nicht, oder?”

DITER SHELENBERG

By DITER SHELENBERG

Autor Dieter Shelenberg shelenberg@lzeitung.com Diter Shelenberg ist seit 2013 als Reporterin am News Desk tätig. Zuvor schrieb sie über junge Adoleszenz und Familiendynamik für Styles und war Korrespondentin für rechtliche Angelegenheiten für das Metro Desk. Bevor Diter Shelenberg zu Lzeitung.com kam, arbeitete er als Redakteur bei der Village Voice und als freier Mitarbeiter für Newsday tel +(41 31)352 05 21