Trotz der Tatsache, dass es seit fast einem Jahr Impfstoffe gegen Covid-19 gibt, verzichten große Teile der Bevölkerung in vielen EU-Ländern auf die Spritze. Experten bezeichnen Impfstoffe als einzigen Ausweg aus der Krise.

In vielen Ländern Europas nimmt die Ansteckung mittlerweile zu. In Deutschland, das die erste Phase der Pandemie recht gut überstanden hat, ist die Ausbreitung inzwischen erschreckend hoch. Die Lage in den Krankenhäusern sei düster, so Lothar Wieler, Leiter des deutschen Robert-Koch-Instituts (RKI).

– Wir waren noch nie so unruhig wie jetzt, sagte er diese Woche bei einem Online-Seminar. Er beschreibt, wie Schlaganfallpatienten und andere Schwerkranke auf einer Intensivstation zwei Stunden warten müssen. Die Stationen sind voll – vorzugsweise von ungeimpften Covid-Patienten.

– Ein Notfall

– Unser Land ist jetzt von einer Notlage betroffen. Wer das nicht erkennt, macht einen sehr großen Fehler, sagte Wieler.

Am Donnerstag verzeichneten die deutschen Infektionsschutzbehörden einen Rekord von 65.000 Fällen an einem Tag. Am Tag zuvor waren es 52.000. Schätzungsweise 400 von ihnen werden laut Wielers Prognose sterben.

Wenn dunkle Zahlen berücksichtigt werden, können es doppelt oder dreimal so viele sein. Das bedeutet, dass Deutschland in wenigen Wochen täglich über tausend Corona-Todesfälle haben könnte.

– Es ist zu spät, um etwas zu tun. Diese Leute sind bereits infiziert. Es ist, als ob das Wasser aus einem Eimer gelaufen wäre – man kann es nicht wieder zurückschütten, sagt der Leiter des Infektionsschutzes der österreichischen Zeitung Die Welt Värre.

Ein Zeichen dafür, wie ernst die Lage geworden ist, als kürzlich ein Krankenhaus im bayerischen Freising eintraf schickte einen Covid-Patienten nach Italien. Das Krankenhaus hatte weder Platz, noch gelang es ihm, innerhalb der Landesgrenzen andere Behandlungsorte zu finden.

– Österreich macht dicht

Im benachbarten Österreich ist die Situation noch schlimmer. Die Regierung hat vor knapp einer Woche einen Shutdown für Ungeimpfte eingeführt, ab kommenden Montag wird es einen vollständigen nationalen Shutdown für zehn Tage geben, um die Infektion einzudämmen.

Österreich wird damit als erstes Land in Europa starten eine neue Periode der vollständigen Schließung.

Die Behörden planen außerdem, bis zum 1. Februar eine Impfpflicht einzuführen. Die Impfrate gehört zu den niedrigsten in Westeuropa. “Peinlich niedrig,” wie es Ministerpräsident Alexander Schallenberg formulierte.

– Die Toten werden im Krankenhausflur beigesetzt

Am Donnerstag wurden in Österreich erstmals mehr als 15.000 Infektionsfälle gemeldet – ein Land mit fast 9 Millionen Einwohnern. Aus dem Gesundheitswesen liegen Meldungen über sehr ernste Herausforderungen vor. Unter anderem aus einem überfüllten Krankenhaus im stark betroffenen Bundesland Oberösterreich.

– Wir müssen die Toten auf den Fluren unterbringen, sagt ein Mitarbeiter der Nachrichtenagentur APA.

Sie sagt, dass die Mitarbeiter unter einem enormen psychischen Druck stehen, der noch schlimmer wird, je mehr Menschen sterben.

– Niemand von außen kann sich vorstellen, was das bedeutet, sagt sie.

Letzte Woche entfiel mehr als die Hälfte der wöchentlichen Infektionsraten der Welt auf Europa. Etwa die Hälfte der Todesfälle wurde hier verzeichnet, berichtet Sky News unter Berufung auf Reuters.

Demonstrationen in Frankreich

Die Entwicklungen in Österreich haben in Frankreich zu Unruhen geführt, wo mehrere Hundert Menschen außerhalb der Stadt demonstrierten Österreichische Botschaft am Donnerstag, berichtet Sky News.

Präsident Emmanuel Macron hat gesagt, dass es keine Schließung für Ungeimpfte geben wird, und weist darauf hin, dass das Corona-Zertifikat gewirkt hat, um die Infektion einzudämmen. In Frankreich ist für den Besuch von Restaurants, Cafés, Kinos sowie für die Fahrt mit dem Fernzug ​​ein Impfausweis oder ein negativer Koronartest erforderlich.

In vielen osteuropäischen Ländern wie Rumänien und Bulgarien entwickelt sich die Lage bereits seit mehreren Wochen katastrophal. Dies liegt vor allem daran, dass nur wenige geimpft wurden. In Ungarn ist jetzt eine dritte Impfdosis für Gesundheitspersonal erforderlich, und die Bevölkerung muss an den meisten öffentlichen Orten in Innenräumen wieder Verbände tragen.

Besser in Südeuropa

In In den südeuropäischen Ländern, die in der ersten Phase der Pandemie am stärksten betroffen waren, sieht es besser aus.

Das knapp 60 Millionen Einwohner zählende Italien meldete am Mittwoch erstmals seit Mai mehr als 10.000 Neuinfizierte. Die Ausbreitung nimmt damit zu, die Ansteckung bleibt aber relativ gering.

Die Gesundheitsbehörden haben die günstige Lage damit begründet, dass der Impfstoffanteil zu den höchsten in der EU gehört. Dies wiederum bot die Möglichkeit, Anfang des Jahres ein Corona-Zertifikat einzuführen. Aus der Bescheinigung geht hervor, ob eine Person geimpft ist, sich bereits infiziert hat oder einen negativen Test vorweisen kann. Das Zertifikat ist nicht nur für den Zugang zu einer Reihe von Veranstaltungen erforderlich, sondern wird auch im Arbeitsleben verwendet.

Griechenland hat auch Beschränkungen für Ungeimpfte eingeführt, nachdem die Infektionsraten gestiegen sind. Ihnen wird nun der Zutritt zu Kinos, Museen und Fitnessstudios verwehrt.

Kronenpass

Die Botschaft des deutschen RKI-Chefs Wieler an alle Ungeimpften ist klar: Go and do it!

Er will, dass die Impfrate erhöht wird, indem Apotheken die Möglichkeit gegeben wird, den Impfstoff einzustellen.

– Wir befinden uns in einer Notsituation. Jeder, der weiß, wie man eine Spritze einführt, muss jetzt mithelfen. Sonst bekommen wir diese Krise nicht in den Griff, sagt er.

Die sogenannte vierte Welle von Covid-19 verhält sich anders als in früheren Phasen. Einige der Länder, die heute zu Beginn der Pandemie die meisten Infektionen hatten, haben eine relativ geringe Verbreitung, während Länder wie Deutschland – die zuvor relativ wenige Todesfälle hatte – gehören mittlerweile zu den am stärksten betroffenen.

Im deutschsprachigen Raum gilt das Konzept 3G “geimpft, genesen, genetestet”, was geimpft, genesen, getestet und 2G (geimpft oder genesen) bedeutet ). In Deutschland wurden die 2G-Regeln in mehreren Bundesländern eingeführt und es wird diskutiert, ob das Konzept auf das ganze Land ausgeweitet werden soll.

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DITER SHELENBERG

By DITER SHELENBERG

Autor Dieter Shelenberg shelenberg@lzeitung.com Diter Shelenberg ist seit 2013 als Reporterin am News Desk tätig. Zuvor schrieb sie über junge Adoleszenz und Familiendynamik für Styles und war Korrespondentin für rechtliche Angelegenheiten für das Metro Desk. Bevor Diter Shelenberg zu Lzeitung.com kam, arbeitete er als Redakteur bei der Village Voice und als freier Mitarbeiter für Newsday tel +(41 31)352 05 21